Steine im Weg

Vor vielen Jahren hatte ich das Gefühl, ich müsste mein Leben komplett umkrempeln. Nichts passte mehr, ich war unglücklich und mein Körper meldetet sich mit Tinnitus, Hautproblemen, Erschöpfungssyndrom und vielen anderen Störungen. Doch der Berg mit Steinen, die auf meinem Weg lagen, erschien mir gigantisch.

Zu der Zeit traf ich einen jungen Mann, der sich schon früh mit Tai Chi beschäftigte und viel über das Leben nachdachte.

Im gemeinsamen Gespräch erzählte ich ihm von meinem gigantischen Steinhaufen und dass ich nicht wüsste, wo ich anfangen sollte und ob ich es überhaupt schaffen würde, diesen riesigen Berg ab zu tragen. Vor allen Dingen, weil ich das Gefühl hatte, dass einige Steine geradezu große Felsen waren.

Er riet mir damals, mich auf die kleinsten Steine zu konzentrieren und dort anzufangen. Ebenso empfahl er mir, mir Zeit zu lassen und Stein für Stein aufzunehmen, mir anzuschauen und ihn wegzutragen. Nach und nach würde das Fehlen der kleinen Steine auch automatisch die großen bewegen und wahrscheinlich würde der ein oder andere Stein von alleine ins Rollen kommen und sich entfernen.

Bis heute habe ich das Bild, dass vor meinem geistigen Auge entstand nicht vergessen und dass ist nun schon über 20 Jahre her. Und ich bin tatsächlich mit den kleinen Steinen angefangen, Steinchen für Steinchen und es passierte folgendes:

Wie erwartet brachte das Fehlen der kleinen Steine den großen Haufen wirklich in Bewegung und mancher große Brocken rollte von alleine weg, doch es geschah noch etwas ganz Verrücktes. Beim näheren Hinsehen entpuppten sich die großen Steine zum Teil als Attrappen, sie waren entweder aus einer Art Pappe oder wie aus Schaumstoff und ich konnte sie mühelos entfernen.

Heute ist der Haufen sehr viel kleiner geworden und er hat sich fast aufgelöst, manchmal spiele ich auch mit den restlichen Steinchen, baue etwas Schönes aus ihnen und sie stören mich nicht mehr. Manchmal löst sich der ein oder andere spielerisch auf, es ist jedoch eine unglaubliche Erfahrung für mich, wenn ich an früher und meine Ängste denke.

Wie gesagt, damals erschien mir der Berg gigantisch und unüberwindbar, heute liegen vereinzelt ein paar nette Kieselsteinchen herum und sie behindern mein Weitergehen nicht mehr.

Veränderung beginnt in dem Moment, wo du beim ersten Stein anfängst und sei er noch so klein, wichtig ist jedoch, dass du beginnst.

Noch heute……..jetzt!